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Der Bedarf an Langzeitpflege für ältere Menschen wächst in Europa stetig und wird in den kommenden Jahren exponentiell zunehmen. In Europa wird diesem Bedarf traditionell je nach kulturellen Normen unterschiedlich entsprochen, wobei in einigen Ländern (Portugal, Irland, Italien und Spanien) Familien für die Pflege älterer Angehöriger sorgen, während in anderen (Frankreich, Deutschland, Niederlande und Großbritannien) der Staat unterstützend eingreift. Da Familien jedoch zunehmend kleiner werden und die Menschen länger leben, haben sich erhebliche Veränderungen bei der Versorgung älterer pflegebedürftiger Menschen ergeben, und die öffentlichen Verwaltungen in ganz Europa haben versucht, mithilfe verschiedener Modelle die Versorgung, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit zu gewährleisten.

Recht auf qualitative Langzeitpflege für ältere Menschen

Die Grundsätze der Vereinten Nationen für ältere Menschen (Erklärung von Madrid) unterstützen das Grundrecht aller Menschen, in der Gesellschaft integriert zu bleiben und an ihr teilzuhaben. Sie verlangen nach Maßnahmen, um die Unabhängigkeit und Autonomie älterer Menschen zu unterstützen, und erfordern Angebote für ältere Menschen, damit diese ihr Leistungsniveau optimal ausschöpfen können. Dieser Grundsatz hat in den vergangenen 20 bis 30 Jahren in erheblichem Maße zu einem Paradigmenwechsel in der Pflege vulnerabel Gruppen in Europa beigetragen, insbesondere für ältere Menschen.

Die Strategien zur Entwicklung der gemeindenahen Pflege haben sich in Europa nicht nur auf die Menschenrechte als Argument für den Übergang von institutionellen oder stationären Einrichtungen zu gemeindenahen Alternativen gestützt, sondern auch auf das wirtschaftliche Argument, wonach die gemeindenahe Pflege älterer Menschen im Endeffekt kostengünstiger ist als die institutionelle oder stationäre Pflege. Daher werden die nach internationalen und nationalen Standards qualitativ besten Pflegeangebote gemeindenah erbracht.

Gute Pflege für ältere Menschen

Gute Pflege und ihre Erbringung kann durch eine Reihe wichtiger Grundsätze untermauert werden. Dazu gehören Personenzentrierung, Verfügbarkeit, Bezahlbarkeit, Ganzheitlichkeit, Kontinuität der Pflege und Ergebnisorientierung. Unabhängig davon, ob es sich um Anbieter oder Auftraggeber sozialer Dienstleistungen handelt, sollten die öffentlichen Verwaltungen sicherstellen, dass die Erbringung von Langzeitpflege sich an diesen Grundsätzen orientiert.

Wenn älteren Menschen mit Pflegebedarf darin unterstützt werden, solange wie möglich zu Hause zu bleiben, kann dies wesentlich zur Verbesserung ihrer Situation und Lebensqualität beitragen. Um die Lebensqualität zu verbessern, ist ein maßgeblicher Faktor, dass eine Vielzahl an integrierten und aufeinander abgestimmten Unterstützungsangeboten verfügbar ist, einschließlich finanzieller Hilfen für informelle Pflegekräfte. Dies kann erreicht werden, indem nationale strategische Rahmen und interdisziplinäre Ansätze für die Beurteilung und Erstellung von Pflegeplänen sowie für die integrierte Gesundheits- und Sozialfürsorge für ältere Menschen mit Langzeitpflegebedarf entwickelt werden.

Nicht nur Pflegequalität, auch Lebensqualität

Die Qualität von Pflege und Betreuung darf nicht nur als Mittel zum Zweck betrachtet werden. Auftraggeber, Leistungserbringer und Leistungsempfänger bestehen darauf, dass ein Schwerpunkt auf die Sicherung der Lebensqualität gelegt wird.

Die Lebensqualität kann nur aus der individuellen Perspektive eines Menschen erfasst werden. Es geht um Autonomie, soziale Bindung und den persönlichen Lebenssinn oder die persönliche Lebensaufgabe. Dies hat für alle Beteiligten Auswirkungen und unterstreicht, wie wichtig es ist, Angebote der Langzeitpflege auf Grundlage der Bedürfnisse, aber auch der Wünsche und des Vermögens der Betroffenen zu schaffen und auszuweiten. Darüber hinaus müssen die Auftraggeber und Erbringer sozialer Dienstleistungen auch sicherstellen, dass die Angebote personenzentriert sind und auf die persönliche Gesundheit und das Wohlbefinden der Betroffenen gerichtet sind.

Paradigmenwechsel

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir zu Recht von medizinischen und paternalistischen Modellen übergegangen sind zu Modellen, die sowohl die Qualität der Angebote als auch die Lebensqualität in den Mittelpunkt rücken. Dennoch haben die öffentlichen Verwaltungen immer noch Mühe, nachhaltige und wirtschaftliche Angebote zu erbringen, die die beiden Grundsätze des Modells der Angebots- und Lebensqualität umfassen, da sie nach wie vor stark von der Rolle der Familie und der Gemeinschaft abhängig sind.

Nationale strategische Rahmen sind erforderlich, um ein integriertes und aufeinander abgestimmtes Herangehen zwischen verschiedenen Trägern und Dienstleistungsbereichen, insbesondere im Gesundheits- und Sozialwesen, zu fördern. Zudem müssen die Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals grundlegend verbessert werden, da in erster Linie sie es sind, die Pflegeleistungen erbringen und Beziehungen zu Pflegebedürftigen aufbauen. Letztlich aber können Menschenwürde, Mitgefühl und der Sinn im Leben eines Menschen nicht mit einem Preis versehen werden.

   

Quellen:

Intern

Extern